08.02.2012, 03:36 Uhr

Wir wollen wieder helfen! – Brief an Herrn Oberbürgermeister Andreas Starke


Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Starke,
lieber Andi,

“Dreck, verdammter!” dachten wir uns, als wir von der Kostensteigerung beim Umbau des Sitzungssaales erfahren haben. Gerade hatten wir die Kettenbrückenkuh für Dich vom Eis geholt und nun das… Wieder ein Fall für uns. Kein Thema, denn uns liegt durchaus am Herzen, dass wenigstens ein Starke seinen Job behält. Deshalb haben wir Dir zur Unterstützung Deiner Presseabteilung ein paar Ausreden und Erklärungen zusammengeschrieben, die Du gerne nutzen kannst:

  • Stühle für jeweils 1600 Euro:
    Vielleicht wäre es wichtig, die Bevölkerung über die vielen Extras aufzuklären, mit denen die Stühle ausgestattet worden sind:

    • Massagenoppen, vor allem für Sitzungen mit mehr als zwei Stunden Länge.
    • Schleudersitz-Mechanismus. Das mit dem teuren Stuck an der Decke ist in diesem Zusammenhang aber halt echt etwas blöd gelöst.
    • Sitzheizung. Die Gefahr zur Bildung von Hämorrhoiden sowie schlechtem Sperma ist auch erst ab einer Sitzungsdauer von mehr als zwei Stunden gegeben. Zwar nicht alle, aber viele Stadträte haben also künftig quasi trotz neuer Stühle die qualvolle Wahl zwischen Kreuzschmerzen und Fortpflanzungsproblemen.

    Übrigens ist das Ausrede, dass die Stühle aus einem anderen, nicht zustimmungspflichtigen Haushalt bezahlt wurden, eher – sagen wir – ungenügend für den gemeinen, steuerzahlenden Bürger, außer es handelt sich beim Budget des Amts für Beschaffungswesen um einen aus der Kaffeekasse des Stadtrats finanzierten Haushalt.

  • Die Klimaanlage für 53.000 Euro
    Die Nummer mit der Klimaanlage ist angesichts der Sommerpause des Stadtrates schon schwieriger zu erklären. Sicherlich könnte man irgendetwas in der Art behaupten wie, dass man zu mancher umstrittenen Entscheidung nur nach hitziger Debatte kam. Aber die Klimaanlage wird ja wahrscheinlich auch warm machen. Und so eine wohlige Wärme ist mancher Stadträtin sicherlich zuträglich. Das versteht ja jeder, der eine Frau zuhause hat.
  • Parkettboden und Stuck:
    Es kam in der Vergangenheit vor, dass der eine oder andere Sitzungsteilnehmer vom Schlaf übermannt wurde. Sanft knallte er mit dem Kopf auf den Tisch oder sein Kopf fiel mangels Stütze nach hinten. Egal wie, entweder sah er nach dem Augenaufschlag am nächsten Morgen Boden oder Decke. Und deshalb muss auch dieser Anblick passen.

Alles in allem glauben wir, dass es wichtig wäre, zu vermitteln, dass Bamberg als Weltkulturerbe, als “Fränkisches Rom”, als Stadt, die meistens mehr Brücken hat als Venedig, auch etwas hermachen muss. Vor allem finden wir die Kluft zwischen Maxplatz und Rathaus in unmittelbarer Nähe zueinander aus künstlerischen, gesellschaftskritischen Gesichtspunkten sinn- und wertvoll. Der Stadtrat erhebt durch seinen prunkvollen Sitzungssaal quasi Kritik an der sozialen Schere zwischen Reich und Arm.

Und um auf die Stühle zurückzukommen, einen weiteren Vorteil hat auch das neue Modell: Stuhlbesetzer können – nach wie vor – den eigenen Stuhl nehmen und gehen. Und was sind schon 1600 Euro als Abschiedsgeschenk, vielleicht hilft es manchem altgedienten Stadtrat auch bei der Entscheidung… Man wird mit Sicherheit und ohne Probleme den einen oder anderen Spender zur Finanzierung oder Helfer beim Tragen finden.

Falls Du Fragen hast, ruf uns an!

Viele Grüße,
Florian Herrnleben, Albert Herrnleben

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