Es ist aber auch eine Zumutung für unsere schönen Gassen, Straßen und Wege. Täglich trampeln tausende Bürger und Touristen arglos über Kopfsteinpflaster, Erde und Asphalt, und das anschauliche Bild unserer Weltkulturerbestadt geht immer mehr den Bach hinunter.
Da ist es nur mehr als verständlich, dass der neue Uferweg am Schiffbauplatz erst im April 2012 freigegeben wird, denn sonst ist er bis zur Eröffnung der LGS wahrscheinlich nicht mehr ansehbar, weil mal wieder alles niedergestapft und versaut wurde.
Wir finden, was mit dem Weg zwischen Konzerthalle und Markusbrücke realisiert wird, muss sich doch auch für andere Fußgängerbereiche umsetzen lassen. Eine Schonzeit für unsere Weltkulturerbewege ist längst überfällig und muss endlich in die Tat umgesetzt werden.
Wir haben da schon mal ein paar Vorschläge:
Empörung im Bamberger Stadtteil Gaustadt. Wie man den Bewohnern des LGS-Viertels mitteilte, werden die Baumaßnahmen noch bis Mitte Dezember andauern. Wir wollten wissen, ob es tatsächlich wegen der andauernden Regenfälle zu dieser Verzögerung kommt und machten uns auf den Weg ins Rathaus, um Infos aus erster Hand zu bekommen. Doch man verwehrte uns den Zutritt. Wieder in unserer Redaktion angekommen, fanden wir ein anonymes Kuvert in unserem Briefkasten. Darin enthalten eine Kopie eines Schreibens der Baufirma an die Stadt. Wir haben festgestellt, dass die örtliche Tagespresse mit Ihrer Angabe “Fertigstellung bis Mitte Dezember” durchaus korrekt berichtet hat, allerdings hat das Organ ganz geschickt die Jahreszahl verschwiegen.
Auf dem beiliegendem Zettel stand, dass man den Bewohnern Gaustadts insofern entgegen kommen möchte, in dem man Ihnen kostenfreien Verbleib, während der Bauarbeiten, in einen der folgenden Objekte anbietet:
Um auch dem stadtteilansässigen Bäcker zu unterstützen, stiftet die Stadt jedem Gaustadter täglich ein Brötchen, welches persönlich vom Bäckermeister gegen Unterschrift ausgehändigt werden soll.
Keine schlechte Idee, von der Fraktion der Freien Wähler, dass mit der “netten Toilette“. Man muss nicht mehr sinnlos mit Harndrang in der Stadt umhertrippeln, bis ein stilles Örtchen gefunden wird, in dem man seine Blase entleeren kann. Nette Geschäftsleute bekommen einfach einen netten Aufkleber auf ihre nette Tür und schon weiß jeder “Ah, hier ist mein Urin willkommen!”.
Es wäre überhaupt praktisch, wenn Läden und Lokale ihre Türen mit weiteren, für den Kunden nützliche, Aufkleber zieren könnten, damit man gleich weiß, wie man dran ist.
Gerade in der Gastronomie könnte man die ständige Fragerei von einfallenden Gästen unterbinden, welche so manche in der Rush-Hour steckende Bedienung nerven und die dementsprechend auch wortlos, pampig oder schreiend reagieren.
Zufriedene Gäste und zufriedenes Servicepersonal, dank der neuen, nützlichen, dekorativen und netten Hinweis-Aufkleber.
Während in unseren Gebieten nass-kaltes Wetter herrscht und die Stadtpolitik auch nicht gerade für Sonnenschein sorgt, zieht es unsere Redaktion wieder in ferne Länder. Wir (also ich) haben einen unserer Redaktionsmitglieder (also den anderen) ins Flugzeug gestopft um zu erkundschaften, was denn so woanders gerade abgeht.
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2.Teil
ANTALYA (Türkei)
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Ein Interview mit unserem Auslandskorrespondenten Florian Herrnleben.
Red.: Hallo Florian!
Florian: Hoi!
Red.: Na, gut gelandet?
Florian: Halbwegs.
Red.: Wieso, gab es unvorhersehbare Zwischenfälle?
Florian: Bis auf eine nervige Familie im Flugzeug nicht. Deutsche natürlich.
Red.: Ahja. – Gut, jetzt bist Du also in der Türkei. Wie wurdest Du empfangen?
Florian: Sehr freundlich. Hier geht man mit Touristen wirklich sehr hilfsbereit um. Immer mit einem Lächeln im Gesicht. – Also anders als in Bamberg.
Red.: Verstehe. – Du bist ja in Begleitung der Lebensgefährtin. Drängt sich natürlich die Frage auf, da sie ja blond ist, ob sich die türkischen Männer ganz besonders um sie bemühen?
Florian: Denen hängt der Gaafer aus dem Gesicht. Aber auf diese Art und Weise hab ich auch bissl Erholung.
Red.: Na, lass sie das mal nicht hören
– Hat man Dir schon Kamele für sie geboten?
Florian: Schon, aber was will ich mit einem Kamel? Jetzt versuchen sie Rauchbier zu organisieren.
Red.: Und meinst, das klappt?
Florian: Die tun hier alles Menschenmögliche. – Wenn du hier Deinen Arsch nach dem Frühstück vergisst, tragen sie ihn Dir auch hinterher.
Red.: Die Döner, sind die in der Türkei besser, als bei uns?
Florian: Nun, man merkt schon, dass das Fleisch hier frisch ist.
Red.: Ich hab ja Fotos von Eurem Hotel gesehen. Ist ja echt nobel.
Florian: Stimmt. Man hat hier sogar ein bißchen Wilhelmsplatz-Feeling.
Red.: Wie soll ich das verstehen?
Florian: Auch noch net ganz fertig.Â
Red.: Achso. Und gibt es irgendwas, auf das Du verzichten musst?
Florian: Also bis auf das Rauchbier (bis jetzt) und Schäuferla mit Wirsing, eigentlich net. –
Red.: Aber Extras kosten bestimmt auch extra, oder?
Florian: Am Arsch. Garnix kostet extra. Sogar das Bier in der Minibar und Internet ist frei. Von den Massage-Tanten ganz zu schweigen. Man sieht sie zwar nicht, was vielleicht auch manchmal besser ist, aber sie machen ihre Sache gut.
Red.: Achso, stimmt. Dort laufen ja die Frauen verhüllt herum.                                                                                 Â
Florian: Jo, das sollte man bei uns auch einführen. Zumindest bei Manchen wäre das oft besser.
Red.: Schlenkerla-Bedienungen mit Burka?
Florian: Da sag ich jetzt nichts dazu. – Obwohl, man kommt sich schon auch bissl wie im Schlenkerla vor. Lauter blöde Touris.
Red.:Â Und die werden auch dementsprechend behandelt? – Also, ich meine, wie im Schlenkerla?
Florian: Och, wenn Du die mit ‘nem Euro bestichst, ist’s schon ok. Dann spuren die schon.
Red.: Sonst noch irgendwelche Ähnlichkeiten mit Bamberg?
Florian: Nun, hier ist quasi alles Königsstrasse.
Red.: Nett.
Florian: Jo.
Red.: Also, bei uns waren heute 15°C. – Neidisch?
Florian:Â Hehe. Nee
 Hier ist es so um die 25°C.
Red.: Vielen Dank für das Gespräch.Â
                                                                                   Â
Â
…gehen sie auf die Straße und sammeln Unterschriften. Für was? Gegen was? – Gegen, natürlich. Und zwar gegen die momentane Verkehrssituation in ihrem Wohngebiet. Im vergangenen November beschloss der Stadtrat die Umsetzung eines neuen Parkraumbewirtschaftungskonzeptes (Anm.d.Red.: Die wäre ein grandioses Wort für das Galgenmännchenspiel), welches seit April in Kraft ist. Ziel dieses Konzeptes: Verlagerung der Regional- und Schulbus-Haltestellen von der Willy-Lessing-Straße an die südliche Promenade.
Wer kannte das Problem nicht, wenn man um die frühe Nachmittagszeit vom Schönleinsplatz Richtung Bahnhof wollte. Zig-tausende Schüler lungerten an den Haltestellen herum und versperrten mit sich und ihren Schulutensilien den Gehweg, so dass einem als “gemeiner” Fußgänger nichts anderes übrig blieb, die Busfahrspur als Geisterläufer zu benutzen.
Aber, man kennt es ja, was dem einen Freud, ist dem anderen Leid. Der Verkehr an der Promenade und somit auch die Lärm-, Geruchs- und Schadstoffbelastung nahmen zu. Und dies wollten sich die Anwohner nicht bieten lassen und sammelten Unterschriften für das goldene Buch der Stadt.
Wir finden ja auch: Omnibusse haben an einem ZOB (Zunkunft ohne Busse) wirklich nichts zu suchen. Und deshalb ein Vorschlag unsererseits. Man lästert zwar immer über unser Nachbarland Österreich, aber was Verkehrskonzept und Umweltschutz angeht, liegen sie uns Deutschen um Nasenlängen voraus. Was ihn Wien geht, müsste doch bei uns in Bamberg erst recht klappen, oder nicht?
Was wird doch in den letzten Wochen alles so durch den Stadtrat, die Presse und den Kakao gezogen. Leerstehende Läden in der Innenstadt, zu viele Puffs, eine Menge Spielcasions. Warum denn gleich alles so schwarz sehen in einer roten Stadt!?
Man muss die Sache nur positiv sehen und das Beste daraus machen. Unser Vorschlag: Es müssen noch viel mehr Bordelle und Spielhöllen her. Flächen sind ja, wie schon erwähnt, genügend vorhanden. Es würde jedenfalls die Innenstadt wieder beleben und Geld in die Kassen bringen. Und die Regnitz wäre hierbei die natürliche Grenze. Auf der einen Seite die katholische Altstadt mit den historischen Gebäuden und auf der anderen Seite Klein-Las-Vegas. In der größten Stadt Nevadas funktioniert es doch auch. Warum denn dann nicht auch bei uns? Warum aus der Tugend ein Laster machen und nicht umgekehrt?
Anm.d.Red.: Vielen Dank diesmal an unsere beiden Gast-Redakteure, Ulf Sowa & Friederike Schreiner, für ihre Beiträge.
Es ist schon unglaublich für was man heutzutage alles einen Sponsoren braucht. Jetzt sucht man doch tatsächlich auch noch Geldgeber für jedes einzelne Kräuterlein am Deckengewölbe in der Michaelskirche.
Selbstverständlich werden die großzügigen Mäzen namentlich in die Hostien eingebrannt, denn eine schriftliche Erwähnung neben jeder Pflanze ist aus Denkmalschutzgründen nicht möglich und außerdem auch zu weit oben.
Falls jemand wirklich vorhat, ein Kräuter-Pate zu werden, aber noch nicht weiß, für welches Grün er sich entscheiden soll, hätten wir hier ein paar Vorschläge:
Für weitere Kräuterberatung stehen wir gerne zur Verfügung.
Falls sich mehr Sponsoren finden, als Pflanzen vorhanden sind – keine Sorge, das Kopfsteinpflaster auf dem Domberg soll als nächstes drankommen.
So, da werden also extra zur 60sten Sandkirchweih Schilder aufgestellt, damit das Fest zivilisiert über die Bühne gehen soll. Es wäre natürlich schön gewesen, wenn man als eifriger Kirchweihbesucher schon mal vorab wissen dürfte, welche Verkehrszeichen für mehr Sicherheit sorgen sollen.
Als pflichtbewusste RundfunkAnstalt haben wir da mal nachgehakt und schau an, uns hat man sofort ein paar Beispielschilder zugemailt, die wir unseren Lesern natürlich nicht vorenthalten wollen.
… so die Überschrift im Lokalteil des heutigen FT. Als wir dies gelesen haben, waren wir sehr erfreut, denn welch’ andere Baustelle in Bamberg kann schon von sich behaupten, dass sie trotz jahrelangen Umbaumaßnahmen, sich bemüht attraktiv zu wirken. Klingt doch romantisch, so eine Begrünung zwischen Bagger und Warnbaken, dachten wir und wollten dies mit eigenen Augen bewundern.
Wir gingen also los und kamen ab der Friedrichsstraße nur noch schwer voran, denn ganze Menschentrauben, bestehend aus Studenten und Alt-68ern, zogen vor uns her. Die Leute, welche uns freudig entgegen kamen, schwenkten vollgepackte Plastiktüten und Jutentaschen in ihren Händen. Wir schauten uns verblüfft an und gingen zielstrebig, so gut es ging, weiter. Als wir dann endlich bis zur Einfahrt Augustenstrasse vordrangen, sahen wir, dass das von uns bewundertwollende Grün, von den Birkenstock-Individuen, rücksichtslos aus dem Kopfsteinpflaster gerissen wurde. Wir erspähten noch eines der letzten Biotope und verstanden dann, warum der Platz vor dem Justizgebäude so plötzlich Verehrer gefunden hatte.
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